Die Wahl der optimalen Finanzierungsstruktur

Stabilitätsanker und Wachstumsmotor

Die langfristige Sicherung der Liquidität und eine steueroptimal aufgestellte Finanzstruk-tur bilden die Basis jedes gesunden Unternehmens. Gerade in wirtschaftlich angespann-ten Zeiten dient diese nicht nur der Resilienz, sondern kann auch Entwicklungsmöglich-keiten für zukünftige Projekte und dringend benötigte Investitionen aufzeigen. 
„Österreichs Wirtschaft befindet sich bekanntlich in der Rezession. Nur zu hoffen, dass der Sturm vorüberzieht, ist jedoch in keinem Fall eine gute Strategie. Vielmehr sollte man diese schwierigeren Zeiten zum Anlass nehmen, die eigene Finanzierungsstruktur zu evaluieren und zu optimieren“, erklärt Dr. Michael Grahammer, Partner bei BDO. „Zahlreiche Beispiele aus der Praxis zeigen, dass in vielen Unternehmen – und auch in großen Infrastrukturprojekten – unerkanntes Potenzial zur Optimierung des Finanzierungsmix schlummert. Dieses gilt es zu erkennen und für die Sicherstellung der Liquidität zu nutzen.“
 

Welche Faktoren bestimmen eine optimale Finanzierungsstruktur für Unternehmen?

Eine adäquate Liquiditätssicherung, die Optimierung der Kapitalkosten, Berücksichtigung von steuerlichen Auswirkungen, notwendiger Finanzierungsbedarf für Wachstum, Investitionen sowie M&A Aktivitäten, Risikomanagementüberlegungen, Überlegungen zur Marktwahrnehmung der eigenen Bonität und Kreditwürdigkeit sowie die Attraktivität für Investor:innen. Diese Faktoren stehen teilweise auch in Wechselwirkung. Der langfristige Unternehmensfortbestand wird nicht zuletzt durch eine kontinuierliche Sicherstellung der Liquidität gewährleistet.

Wichtig für Investitionen und Infrastrukturprojekte ist, dass neben Überlegungen zur Zinsabsicherung und damit einer besseren Planbarkeit die Ausfinanzierung langfristig und unter Berücksichtigung aller Covenants von Kreditverträgen (z.B. Loan-to-value) gewährleistet sein muss. Aufgrund des aktuellen Zinsumfelds sollten langfristige Zinsfixierungen geprüft werden, um eine bessere Planbarkeit und damit erhöhte Sicherheit zu erzielen.
In einem Konzernverbund stellt sich zusätzlich die Frage, welche Gesellschaft konkret die Finanzierungen zu welchen Konditionen, Sicherheiten und Covenants aufnimmt. Gleiches trifft auf die Projektfinanzierung zu: Soll die Finanzierung über das Unternehmen selbst (on-balance) erfolgen oder ist aus Rentabilitäts- und/oder Sicherheitsüberlegungen eine ausgelagerte Projekt-/Zweckgesellschaft (off-balance/non-recourse) sinnvoller?

Bei jedem konkreten Investitionsvorhaben, unabhängig von der Unternehmens- bzw. Projektgröße, stellen sich u.a. Detailfragen nach einem optimalen Finanzierungsmix, Vertragsbedingungen, Bestellung von Sicherheiten, Vereinbarungen von (Financial) Covenants. Diese sind keineswegs trivial, können nur im Einzelfall geklärt werden und sind auf die jeweilige Unternehmensstrategie sowie auf die Anforderungen der Gesellschafter:innen und sonstiger Interessengruppen abzustimmen. Unausgewogene Finanzierungsstrukturen können im Worst-Case-Szenario die Insolvenzwahrscheinlichkeit dramatisch erhöhen bzw. zur Insolvenz führen. „Eine fundierte Finanzplanung hin-gegen sichert nicht nur langfristig den Fortbestand und das nachhaltige Wachstum des Unternehmens, sondern im Fall dringend benötigter Infrastrukturprojekte auch die Versorgungssicherheit und den Lebensstandard in Österreich“, gibt Michael Grahammer zu bedenken.