Teilnahme an einem IPCEI könnte bald einfacher werden

Erleichterungen für österreichische Unternehmen im Antragsprozess, insbesondere für KMU

Mit dem neuen Fokus auf „Circular Advanced Materials“ (CAM) stehen bedeutende Regeländerungen bevor, die den Zugang zu den IPCEI-Fördermitteln erleichtern und insbesondere KMU neue Chancen eröffnen. Österreichs Teilnahme an diesem strategischen EU-Instrument hat bereits klare Konturen angenommen. Auch auf europäischer Ebene wurde der Fahrplan für die kommenden Jahre festgelegt.
 

Österreichs Beteiligung am IPCEI CAM: Status quo

Eine erste, über Industrieverbände durchgeführte Umfrage deutet bereits auf 40 Projektvorschläge von 32 Unternehmen hin. Die Beteiligung ist breit gefächert: 20 Großunternehmen, 11 Forschungseinrichtungen und ein KMU haben bereits Interesse signalisiert. Die geplante staatliche Förderung entspräche einer Höhe von knapp EUR 1,2 Mrd. Während etwa 90% der eingereichten Vorschläge dem Typ „AP-Projekt“ (AP = Associated Partner) zugeordnet werden können, entfallen 10% auf größere „DP-Projekte“ (DP = Direct Partner). Die geographische Verteilung zeigt eine Konzentration auf die Bundesländer Steiermark, Oberösterreich und Wien. 
Obwohl die erste Phase – die Interessensbekundung – offiziell bereits am 10. März abgeschlossen wurde, bleibt es weiterhin möglich, mit minimalem Aufwand Ihr Interesse anzumelden. Auch neu eingehende Projektvorschläge fließen – soweit möglich – in die laufenden Gespräche des verhandlungsführenden Ministeriums zu finalen Fokusthemen und zur Budgetverteilung ein.
 

Regeländerung bringt Erleichterung für CAM

Dabei ist die Teilnahme an diesem IPCEI besonders attraktiv. Zeitgleich mit dem neuen IPCEI-Schwerpunkt „Circular Advanced Materials“ ergeben sich substanzielle Vereinfachungen für Antragsteller:innen. Die Beihilfenhöhe, ab der eine Notifizierung durch die EU Wettbewerbskommission notwendig ist, wird auf EUR 50 Mio. angehoben. Das bedeutet, dass Anträge auf Gewährung einer Beihilfe zwischen EUR 2 Mio. und EUR 50 Mio. in Zukunft direkt durch das Ministerium gemäß AGVO vergeben werden können. Diese Änderung zielt auf Erleichterungen im Sinne kürzerer Antwortzeiten und weniger komplexer Rückfrageprozesse ab. Zur Einordnung: Wären die aktuellen Regeln bereits in der Vergangenheit in Kraft gewesen, hätten 17 von 19 bestehenden IPCEIs in Österreich keiner Notifizierung auf EU-Ebene bedurft. 

Besonders hervorzuheben ist die Einführung einer neuen assoziierten Partnerrolle für KMU in Österreich. Diese bringt abseits der allgemein gültigen Lockerung der Notifizierungspflicht zusätzliche Erleichterungen mit sich. 

Die Projektklassifizierung wird angepasst, wodurch ein vereinfachtes ‚Project Portfolio‘ im Antragsprozess genügt und sich der geforderte technologische Entwicklungssprung im Projekt reduziert. Dies erleichtert die Teilnahme am IPCEI-Programm signifikant. 

DISCLAIMER: Sowohl das Budget als auch die endgültige Förderungsrichtlinie für die neue KMU-Partnerrolle sind noch Gegenstand laufender Verhandlungen zwischen dem zuständigen Ministerium und der Regierung. Nichtsdestotrotz sind für interessierte Unternehmen – insbesondere KMU – bereits erhebliche Erleichterungen absehbar, die eine vereinfachte Einreichung und reduzierte Hürden für eine Teilnahme am Programm ermöglichen. 
 

Europäische Perspektive: Der Zeitplan für IPCEI CAM

Während die Grundsatzverhandlungen zu Budgets, Themen und auf nationaler Ebene zur finalen Förderungsrichtlinie noch laufen, soll folgender zeitlicher Fahrplan verfolgt werden:
  • Q2/2025: Abschluss des Scoping-Prozesses und Festlegung des finalen Projektumfangs
  • Sommer/Herbst 2025: Gemeinsame Ausschreibungsphase
  • Herbst 2025: Auswahl der final geförderten Projekte
  • Nachfolgend: Durchführung von Matchmaking-Events und Vorbereitung der Notifikationsphase

Fazit

Die bevorstehenden Änderungen im IPCEI CAM-Programm stellen eine signifikante Erleichterung für Unternehmen, insbesondere für KMU, dar. Durch den Wegfall der Notifizierungspflicht für viele Projekte und eine flexiblere Förderstruktur wird die Teilnahme an IPCEI-Förderungen, insbesondere für KMU, deutlich attraktiver. Was genau IPCEI ist, wie das Förderprogramm funktioniert und welche Vorteile es mit sich bringt, können Sie in unserem letzten Beitrag dazu nachlesen.
 

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Nina Londer
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